Ein ausgebrochener Nutzen sieht auf den ersten Blick fertig aus. Ob er es wirklich ist, zeigt sich oft erst beim Endkunden: wenn der Aufsteller an der Ecke eingerissen ist, wenn an der Kante eines Anhängers eine Faser hängt, wenn in einem Fenster noch ein Stück Karton steckt oder wenn im Karton mit Motiv A plötzlich drei Nutzen von Motiv B liegen. Diese vier Fehler machen den allergrößten Teil dessen aus, was beim Lösen von Nutzen schiefgehen kann. Dieser Ratgeber zeigt, woran Sie jeden davon erkennen, woher er kommt und wie Kontrolle je Bogen, Zwischenkontrolle und Zählprotokoll dafür sorgen, dass er nicht unbemerkt beim Kunden ankommt.
Welche vier Ausbrechfehler kommen am häufigsten vor?
| Fehler | woran man ihn erkennt | typische Ursache | was wir tun |
|---|---|---|---|
| Einriss | kleiner Riss vom Haltepunkt in den Nutzen, oft an Ecken | breiter Haltepunkt, schräger Zug, Punkt in Ecke | Nutzen aussortieren, zählen, Foto; Ursache melden |
| Fasern | ausgefranste Kante, abstehende Papierfasern | stumpfe Stelle im Messer, Karton mit viel Altpapier, zu schneller Zug | aussortieren, bei Häufung Meldung mit Foto |
| stehengebliebener Steg | Rest des Stanzgitters an der Kante oder im Fenster | Punkt nicht vollständig gelöst, Innenstück hängt | Rest am Platz mit dem Ausbrechstift entfernen, bevor der Nutzen den Tisch verlässt |
| Verwechslung | Nutzen eines Motivs im Stapel eines anderen | Mehrmotiv-Bogen, gleiches Format, ähnliche Farben | Motiv je Stapel, Etikett, Zählprotokoll je Motiv |
Ein stehengebliebener Steg ist der einzige dieser Fehler, der sich am Platz beheben lässt, solange der Nutzen noch nicht abgelegt ist – der Rest wird mit dem Ausbrechstift entfernt. Ein Einriss oder eine ausgefranste Kante lassen sich dagegen nicht rückgängig machen.
Woran erkennt man einen Einriss – und woher kommt er?
Ein Einriss beginnt fast immer an einem Haltepunkt und läuft von dort einige Millimeter in den Nutzen hinein. Bei hellem Karton ist er als feine Linie zu sehen, bei dunkel bedruckten Flächen erst, wenn man den Nutzen leicht biegt. Besonders gefährdet sind Ecken, enge Radien und Laschenansätze, weil dort die Kraft beim Lösen schräg wirkt.
Die Ursache liegt meistens an der Stanzform: Haltepunkte, die breiter sind als die 0,3–0,5 mm, die sich von Hand sauber brechen lassen, oder Punkte an ungünstiger Stelle. Seltener liegt es an der Arbeit selbst, wenn ein Nutzen zu schnell oder schräg gezogen wird. Deshalb zählen wir Einrisse im Erstmuster getrennt nach Lage. Sammeln sie sich an einem bestimmten Punkt, liegt es an der Form, und wir melden es Ihnen mit Foto. Wie Haltepunkte ausgelegt werden sollten, erklärt der Ratgeber Haltepunkte und Stege auslegen.
Warum sind Fasern und stehengebliebene Stege so schwer zu sehen?
Beide Fehler sind klein und liegen genau an der Kante – dort, wohin man beim Stapeln nicht schaut. Eine Faser ist oft weniger als einen Millimeter lang, und ein Steg im Fenster ist von vorn manchmal kaum von der Fensterkante zu unterscheiden. Sichtbar werden sie im Streiflicht: Wenn Licht flach über die Kante fällt, werfen Fasern und Reste einen Schatten. Deshalb arbeiten wir bei feinen Konturen an beleuchteten Tischen und sehen jeden Nutzen einmal beim Lösen und einmal vor dem Ablegen an.
Fasern entstehen häufig bei Karton mit hohem Altpapieranteil oder bei Wellpappe, deren Deckschicht an den Punkten ausreißt. Häufen sie sich über viele Bögen, ist das ein Hinweis auf eine stumpfe Stelle im Messer. Auch das melden wir Ihnen, denn für die nächste Auflage kann es sich lohnen, die Form nachschärfen zu lassen.
Wie vermeiden wir Verwechslungen bei Mehrmotiv-Bögen?
Viele Bögen tragen mehrere Motive: vier Kartenmotive auf einem Bogen, drei Sprachversionen eines Aufstellers, Vorder- und Rückteile eines Displays. Für die Stanzmaschine Ihrer Druckerei ist das effizient, für das Lösen von Hand ein Risiko, denn gleiche Formate mit ähnlichen Farben landen leicht auf dem falschen Stapel. Wir arbeiten deshalb nach einer festen Regel:
- Jedes Motiv bekommt am Platz eine eigene Ablage mit Etikett, das Motiv, Auftrag und Sollzahl zeigt.
- Auf ein Zählbrett kommt immer nur ein Motiv, nie zwei.
- Die Sollzahl je Bogen wird je Motiv geprüft: Trägt der Bogen drei Nutzen von A und drei von B, zählt der Platz beide getrennt.
- Jeder Stapel erhält beim Ablegen ein Etikett mit Motiv, Menge und Platz.
Beim Referenzmuster, das an jedem Platz liegt, legen wir für jedes Motiv einen eigenen Nutzen dazu. Wie Nutzen und Motive auf dem Bogen heißen und gezählt werden, erklärt das Lexikon unter Nutzen.
Wie funktioniert die Kontrolle je Bogen und alle 50 Bögen?
Die erste Kontrolle macht der Platz selbst, und zwar nach jedem Bogen: Stimmt die Zahl der gelösten Nutzen mit der Sollzahl überein? Fehlt einer, hängt er noch im Stanzgitter, das dann nicht in den Behälter wandert, bevor er gefunden ist. Danach werden Kanten und Innenausbrüche angesehen. Die zweite Kontrolle macht die Schichtleitung alle 50 Bögen: Sie nimmt Stichproben aus den Stapeln, prüft Kanten, Motive und Zählungen und hält fest, wenn sich an einem Platz Fehler häufen. Die dritte ist die Ausgangskontrolle, bei der jeder Stapel vor dem Palettieren noch einmal gegen Etikett und Zählprotokoll geprüft wird.
Wo diese drei Kontrollen im Ablauf stehen, zeigt So arbeiten wir; die Leistung dahinter ist Stanzbögen ausbrechen in Serie.
Was steht im Zählprotokoll je Motiv?
Das Zählprotokoll macht sichtbar, was aus jedem angelieferten Bogen geworden ist. Ein Beispiel für einen Auftrag mit Lernkarten, vier Motive, zwölf Nutzen je Bogen:
| Motiv | Bögen | Nutzen Soll | Nutzen i.O. | aussortiert | Grund |
|---|---|---|---|---|---|
| A | 1.500 | 18.000 | 17.958 | 42 | 30 Einriss, 12 Faser |
| B | 1.500 | 18.000 | 17.981 | 19 | 11 Einriss, 8 Steg im Fenster |
| C | 1.200 | 14.400 | 14.377 | 23 | 15 Einriss, 5 Faser, 3 Druckfehler |
| D | 1.200 | 14.400 | 14.390 | 10 | 10 Einriss |
| Summe | 5.400 | 64.800 | 64.706 | 94 | Fotos je Grund |
Mit dieser Tabelle prüfen Sie die Rechnung gegen Ihre Bogenzahl, sehen auf einen Blick, bei welchem Motiv es gehakt hat, und haben für die nächste Auflage einen Anhaltspunkt, wo die Stanzform nachgebessert werden könnte. Druckfehler, die uns beim Lösen auffallen, tragen wir ebenfalls ein, auch wenn sie nicht beim Ausbrechen entstanden sind.
Was geschieht mit aussortierten Nutzen und dem Stanzgitter?
Nutzen mit Einriss, Fasern oder stehengebliebenem Steg sortieren wir aus, zählen sie je Motiv, dokumentieren sie mit Foto und liefern sie mit zurück – einen Ersatzdruck oder eine Nacharbeit übernehmen wir nicht. Die aussortierten Nutzen liegen in einem eigenen, gekennzeichneten Karton je Motiv, damit Sie selbst entscheiden können, ob einzelne davon für Muster oder interne Zwecke noch taugen. Stanzgitter und Ausbrechreste sammeln wir sortenrein und liefern sie auf Wunsch zurück; sonst gehen sie als Altpapier oder Kunststoff in die Verwertung. Zusammen mit den gezählten Nutzen, dem Zählprotokoll, dem Lieferschein und den Palettenfotos geht alles an die Adresse zurück, die Sie angegeben haben – an Sie, an Ihre Druckerei oder direkt an Ihren Kunden.